Permakultur in der Stadt
- vor 4 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
mit Anina Gmür
Noch als ich in der Stadt gelebt habe, hatte ich diesen Traum eines Permakultur-Gartens. Ich kann nicht mehr sagen, wie ich damals überhaupt auf dieses Thema gestossen bin, denn ich kannte niemand, der Permakultur betrieb. Doch die Prinzipien der Permakultur fanden in mir sogleich Anklang.
Meine ersten Gartenschritte habe ich auf einem klitzekleinen Balkon in der Stadt gemacht. Ich habe Bücher über Selbstversorgung gelesen und mich von Videos über die Kreisläufe der Natur inspirieren lassen. Doch Stadt und Permakultur waren für mich wie zwei Gegensätze. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass man in der Stadt wirklich gärtnern kann.
Umso schöner, dass ich vor kurzem den Beckihof und Anina Gmür kennenlernen durfte. Anina betreibt mit ihrem Mann Andreas einen urbanen Waldgarten in der Stadt Zürich. Im Podcast-Gespräch haben wir nicht nur darüber gesprochen, wie sie selbst zur Permakultur gekommen ist, was das überhaupt ist und wie sie auf dem Beckihof arbeiten, sondern eben auch wie Permakultur in der Stadt auch auf kleinem Raum funktionieren kann.

Dies ist die Zusammenfassung des Podcast-Gesprächs. Höre dieses hier:
In diesem Artikel erfährst du:
🌻 was Permakultur ist und wie du sie auch in deinen Garten integrieren kannst.
🌻 welche Schritte du unternehmen kannst, um einen Garten in der Stadt, ja sogar auf einem Balkon, zu starten.
🌻 wie Anina zur Permakultur gekommen ist und wie sie auf ihrem Hof in der Stadt arbeitet.
🌻 was ein urbaner Waldgarten ist und praktische Tipps für deinen eigenen Garten, die du gleich umsetzen kannst.
Und natürlich noch vieles mehr!
Waldgarten und Permakultur - was ist das?

🌳 Ein Waldgarten ist eine Kopie des Waldes mit essbaren Pflanzen in deinem eigenen Garten. Der Wald ist in viele Schichten aufgeteilt. So können in einem Waldgarten hohe Bäume wie Nussbäume oder Hochstamm-Obst vorkommen, dann aber auch Niederstamm-Obstbäume, Sträucher, Beeren und Stauden in weiteren Schichten und in den niedrigeren Schichten beispielsweise Kräuter und Gemüse. Zudem können vertikale Schichten wie Reben gepflanzt werden.
🌳 Permakultur ist ein Designsystem, bei welchem es darum geht, nachhaltiges Leben zu gestalten. Permakultur umfasst nicht nur den Garten, sondern eigentlich das ganze soziale Leben, wie z.B. die Architektur, das Gesundheitswesen oder die Bildung. Sie kann überall dort, wo wir Menschen tätig sind, angewandt werden und ist auch eine Lebensphilosophie. Bill Mollison hat dieses Designsystem in den 1970er-Jahren entwickelt als Antwort auf die immer grösser werdende Industralisierung in der Landwirtschaft.
🌳 Permakultur beinhaltet verschiedene Prinzipien, darunter der achtsame Umgang mit der Natur und dem Menschen. Anhand von den 12 Grundprinzipien der Permakultur kreiert man resiliente und nachhaltige Ökosysteme. Anina erzählt als Beispiel, dass sie auf dem Beckihof versuchen, Kreisläufe wieder zu schliessen, weil ganz viele Ressourcen in unserem Alltag weggeführt werden, beispielsweise der Grünschnitt oder das Abwasser, das weggebracht wird. Auf dem Beckihof versucht Anina diese Ressourcen auf ihrem Land zu behalten.

Permakultur in den eigenen Garten integrieren
🌳 Permakultur kann auch auf kleinem Raum z.B. auf einem Balkon betrieben werden. Gut geht das mit einer Obstbaum-Lebensgemeinschaft. Sie verbinden alles, was uns von der Permakultur gezeigt wird: In der Mitte befindet sich ein Obstbaum, der auch in einem Topf beheimatet werden kann. Um diesen Baum legt man Mulchmaterial, damit der Baum nicht austrocknet. Dieses Material kann selbst angepflanzt werden anhand von Gründüngungen, die man schneidet und dann liegen lässt. Im zweiten Ring pflanzt man Pflanzen dazu, die den Obstbaum fördern, indem sie Schädlinge abhalten, Insekten anlocken und zur Biodiversität beitragen. Dies können bspw. Stauden oder auch Blumen sein, die man auch wieder schneiden kann fürs Mulchen. Im nächsten Ring können Gemüse (am besten im Süden), Beeren (im Osten und Westen) oder Wildobst (im Norden) gepflanzt werden.

🌳 Um den Garten naturnäher zu gestalten, braucht es Vielfalt. Unterschiedliche Pflanzen können einander unterstützen. Dadurch dass man in Mischkulturen gärtnert können Systeme geschaffen werden, die nachhaltig sind.
🌳 Anina empfiehlt als ersten Schritt das Beobachten des Gartens oder auch des Balkons. Wo verläuft die Sonne? Wo hat es Wind? Wo sind die warmen, schattigen, feuchten, trockenen Zonen? Anhand von diesen Beobachtungen kann man dann einen Plan machen. Das braucht Zeit. Davon lassen wir uns jedoch nicht entmutigen. Man darf ausprobieren, scheitern und sich mehrere Jahre Zeit lassen, um herauszufinden, wo die idealen Standorte für gewisse Pflanzen sind. "In der Permakultur trainieren wir das Beobachten, ohne zu bewerten", meint Anina.

Garten und Stadt
🌳 Anina erzählt, dass sie am Anfang auch Mühe hatte, vom Land in die Stadt zu ziehen, doch dass sie nun das grosse Potenzial der Stadt sieht in Bezug aufs Gärtnern. Sie erwähnt Parkanlagen, Innenhöfe, Fassaden und Schulhöfe, die man begrünen und somit grosse grüne Flächen schaffen könnte. Denn "Es geht darum, dass man die Nahrung auch wieder in die Stadt bringt", wie Bill Mollison, der Begründer der Permakultur, gesagt haben soll.
🌳 In der Stadt bietet es sich an, miteinander zu gärtnern, da es je nachdem schwierig sein kann, dies alleine zu tun. Somit könnte man z.B. zusammen einen Kompost anlegen oder gemeinsam den Innenhof bepflanzen und so wieder mehr Netzwerke erschaffen.
🌳 Auch das Gärtnern auf einem Balkon ist möglich. Dabei sollte man unbedingt vorher die Statik beachten. Danach können Töpfe oder Hochbeete bepflanzt, Regenwasser kann gesammelt, ein Wurmkompost gestartet werden. Auf kleiner Fläche kann eine grosse Vielfalt angebaut und Kreisläufe geschlossen werden.

Aninas Büchertipps, um das Thema zu vertiefen:
Gerda Kleber/Eduard w. Kleber: Gärtnern im Biotop mit Mensch
Angela Gerlach: Permakultur
Siegfried Tatschl: 555 Obstsorten für den Permakulturgarten und -balkon
Bernhard Gruber: Unser Essbarer Waldgarten
🌻 Finde Anina, den Beckihof und ihre Kurse hier.











