7 Dinge, die du analog tun kannst
- 7. Juni
- 5 Min. Lesezeit
Ich sitze im Zug und schaue mich um. Die meisten Menschen in meinem Blickfeld haben dieselbe Position eingenommen: Rücken gebeugt, Kopf gesenkt, Ohren mit Kopfhörern zugemacht, Blick starr vor sich hin gerichtet, ein kleines viereckiges Ding in der Hand. Das Bild, das sich mir präsentiert, ist ganz normal. Der Bildschirm ist nicht nur ein Zeitvertreib während der Zugfahrt. Nein, er ist unser soziales Umfeld, unser Assistent, unsere Uhr, unsere Landkarte, unser Berater, unsere Unterhaltung, unser Freund, unser Portemonnaie, unser Körperbewusstsein, unser:e Ernährungsberater:in und Ärzt:in und Lehrer:in und Anlageberater:in und Manager:in und und und.
Natürlich ist nicht alles schlecht an der digitalen Welt. Wir kennen die Vorteile. Aber darum soll's in diesem Artikel nicht gehen. Denn ich spüre, dass das Handy mit all seinen Möglichkeiten auch immer mehr Menschen ermüdet. Dass wir uns dabei ertappen, wie wir uns fragen, wie wir vor 30 Jahren ohne das Teil überhaupt überleben konnten und wie ein Teil von uns sich vielleicht auch nach dieser Zeit vor dem Internet sehnt. Ironischerweise liest du dies in meinem online Magazin (danke, dass du da bist!) und dennoch möchte ich heute 7 Dinge, die du analog tun kannst, hier teilen.
Viel Spass!

Fotografieren
Du musst jetzt nicht Flohmärkte und Vintage Shops durchforsten gehen, aber vielleicht den Dachboden deiner Eltern. Denn vielleicht findet sich da noch dieses Fossil: Die analoge Kamera.
Wie wäre es, wenn du diesen Sommer einen Film (erinnerst du dich? 😅) mit Schnappschüssen füllst, die den Moment einmal, und nicht hundertfach, festhalten? Und dann schickst du den Fotofilm ein und wartest und lässt dich nach einigen Wochen vom Resultat überraschen. Und vielleicht nimmst du dies dann gleich noch zum Anlass, ein Fotoalbum zu gestalten mit Momenten aus deinem Sommer. Mit Fotokleber und Leimstift und Stickers und schönen Farbstiften.
Eine andere Option ist, dass du dir eine Einwegkamera zulegst, falls der Dachboden nichts hergibt.
Briefe schreiben
Du bist in den Ferien? Mache dich doch wieder einmal auf die Suche nach einem Kiosk oder Tabacchi oder Souvenirshop und kaufe eine Postkarte, die du dann über dem langsamen Postweg einem geliebten Menschen zukommen lässt.
Oder wann hast du das letzte Mal schöne Post im Briefkasten gehabt? Ich wage zu behaupten, dass nebst Rechnungen und Werbung kaum etwas anderes in deinem Briefkasten haust, oder? Ich bin mir sicher, dass es jemanden in deinem Umfeld gibt, der oder die dafür zu haben wäre, einen Briefwechsel zu starten. Anstatt einmal im Monat ein ellenlanges Whatsapp zu schreiben, könntet ihr eure Geschichten und Gefühle auf schönes Papier schreiben und sie euch per Post zuschicken.
Ich verschicke diesen Sommer auch physische Post! Bestelle meine Seelengarten Post hier:
Ein Magazin für den Urlaub kaufen
Weisst du noch, als du von der Schule nach Hause gerannt bist, weil heute der Tag im Monat war, wo das Spick oder Wendy oder Witch im Briefkasten war? Für mich zumindest war dies immer ein ganz besonderer Tag. Ich habe mir mein Magazin geschnappt und mich aufs Sofa gekuschelt, um einen Moment abzutauchen.
Später dann habe ich ganze Urlaubswochen mit Magazinen dekoriert. Ich lag auf dem Strandtuch und liess mich von der neusten Mode inspirieren und vom Klatsch und Tratsch der Promis unterhalten. (Achtung, diese Heftchen aus den Nullerjahren möchte ich natürlich nicht schön reden, haben sie doch massgeblich zu einem gestörten Body Image geführt. 🫣 Doch der Gedanke ans Gefühl von Sonne, Strand und Heftli finde ich schön.)
Laufe also nächstes Mal nicht einfach an den Magazinen vorbei, sondern suche dir eines aus, das dir ästhetisch und thematisch gefällt. (Heute sind es bei mir definitiv nicht mehr Klatsch-Magazine, sondern solche zu Themen wie Nachhaltigkeit, Achtsamkeit und Spiritualität. 😊)
Tagebuch führen

Das ist etwas, das ich nach wie vor fast täglich mache: Von Hand meine Gedanken in ein Tagebuch schreiben.
Ich habe gelernt, dass unsere Hand die direkte Verbindung zum Herz darstellt. Schreibst du von Hand, dann fliesst da also ganz viel Herz in deine Zeilen. Beim Tagebuch Schreiben geht es aber gar nicht darum, dass du schön und grammatikalisch korrekt oder gar in zusammenhängenden Sätzen schreiben musst - wir sind ja hier schliesslich nicht mehr in der Schule -, sondern dass du deinen Gedanken freien Lauf lässt. Durch das Aufschreiben kannst du mehr Klarheit gewinnen und Gefühle ausdrücken. Und wenn du es handschriftlich tust, dann wird es automatisch persönlich, weil es deine Handschrift nur einmal gibt.
Falls du nicht so gerne zu tief tauchen möchtest, wäre es auch eine Option ein Sommer-Tagebuch zu führen. Schaffe dir ein schönes Notizheft oder -buch an und schreibe jeden Tag auf, was du gemacht hast und was dir Freude bereitet hat.
Oder aber lege dir einen physischen Terminkalender zu und trage von nun an deine Termine von Hand ein.
Mit Papierkarten navigieren
Etwas umständlich vielleicht, aber wie wäre es, wenn du es wieder einmal ausprobierst? Dein Ziel anhand von einer Papierlandkarte zu finden. Vielleicht machst du einen Tag daraus und versuchst dich an einem fremden Ort nur mit einer Papierkarte zurecht zu finden. Ich denke, ganz gut klappt das mit Wanderkarten. (Und keine Panik: Zur Not hättest du ja noch das Handy dabei.) Oder du könntest einen Orientierungslauf organisieren und daraus eine Challenge machen.
Die Aussicht geniessen
Das beste Gegenmittel gegen den Stress der digitalen Welt ist sowieso die Natur, findest du nicht auch? Jeden Tag legt die Natur ein Spektakel nach dem anderen hin und nur selten schauen wir hin. Oder wann hast du den letzten Sonnenaufgang, das Wolkenspiel, das Eindunkeln oder die Sterne gesehen? Und damit meine ich nicht, einfach schnell hingeguckt, sondern dir wirklich Zeit dafür genommen.
Betrachte es so: Anstatt Fernsehen zu schauen, könntest du Sonnenuntergang schauen. Anstatt durch Instagram zu scrollen, könntest du ins Freie gehen und frische Luft atmen. Anstatt einen Podcast beim Abwaschen zu hören, könntest du aus dem Fenster schauen und die Wolken vorbeiziehen sehen. (Falls du nicht aus dem Fenster schauen kannst während dem Abwasch, dann öffne ein Fenster und lausche den Geräuschen, die von draussen kommen.)

Achtsamkeit im Alltag praktizieren
Und all diese Ideen bringen mich zum wichtigsten Punkt. Es fehlt uns an Achtsamkeit im Alltag und ich wage zu behaupten, dass dies auch der Digitalisierung zu verdanken ist. Denn unser Gehirn hat sich daran gewöhnt, dass jedes Bedürfnis und jede Idee sofort umgesetzt und befriedigt wird. Wir haben alles immer zur Verfügung und so geht uns das Bewusstsein für das, was da ist und echt, verloren. Achtsamkeit bedeutet innezuhalten, die Stille und Langweile auch mal auszuhalten und sich Zeit zu nehmen, Dinge wahrzunehmen mit all unseren Sinnen. Beginne achtsamer zu werden, wenn du dich anziehst. Nimm wahr, wie sich die Kleidung auf deiner Haut anfühlt. Esse langsam und bewusst, ohne Hintergrundgeräusche oder Bildschirme (da muss ich mich ganz fest bei den Ohren nehmen). Fahre Zug und schau aus dem Fenster, anstatt in dein Handy.
Als allgemeinen Tipp gebe ich dir mit: Überlege dir, bevor du zum Bildschirm greifst, ob du diese Aktivität auch analog tun könntest oder ob es diesen Gegenstand auch physisch gibt. Ich denke da an physische Kochbücher anstatt Foodblogs, Notizblöcke anstatt die Notes App, Kartenspiele anstatt Videogames usw.
Und zum Schluss noch dies: Selbstverständlich ist es ok, wenn du nicht dein ganzes Leben analogisierst. Das Analoge soll Spass machen! Und schlussendlich geht es darum, ein gesundes Gleichgewicht zu finden.
So und nun weg vom Bildschirm und rein in die echte Welt!











