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Mit Kindern im Wald

  • vor 1 Tag
  • 5 Min. Lesezeit

im Gespräch mit Claudia Müller


In dieser Podcast-Folge geht es darum, wie wir Kindern die Natur näher bringen können. Ich spreche mit meiner Freundin Claudia Müller. Sie ist Kindergarten- und Primarlehrperson und arbeitet als Naturpädagogin im Waldkindergarten Basel. Ausserdem ist sie Mutter und in ihrer Freizeit viel draussen in der Natur.


In dieser Folge erfährst du...


🌳 wie du mit Kinder in den Wald gehen kannst, sei dies als Lehrperson, Elternteil, Tante, Onkel, Nachbar*in usw.


🌳 was ein Waldkindergarten ist und wie der Schulalltag darin aussehen kann.


🌳 warum die Zeit in der Natur für Kinder so wichtig ist und was sie im Wald lernen.


🌳 konkrete Spielideen, damit du und die Kinder die Natur besser kennenlernt und eure Sinne geschärft werden.


🌳 und natürlich noch vieles mehr!


Claudia Müller

Dies ist die hochdeutsche Zusammenfassung der Podcast-Folge. Höre sie hier:


Als Lehrperson mit Kindern im Wald


🐿️ "Waldkindergarten" ist ein breiter Begriff, da es ganz unterschiedliche Formen und Konzepte gibt. Claudia beschreibt den Alltag im Waldkindergarten Basel wie folgt:

Übers ganze Jahr sind sie bei jedem Wetter draussen im Wald. Sie haben keinen Innenraum, sondern ein sogenanntes "Waldsofa". Das ist rund aufgeschichtete Baumstämme, die mit einer Blache überspannt sind, um vor Regen und Schnee zu schützen. Da die Kinder im Sommer ins Schuljahr starten, gewöhnen sie sich ans draussen Sein, bis die Temperaturen kälter werden.


🐿️ Claudia erzählt, dass ihre Arbeit draussen in der Natur auch ihr sehr viel gibt, weil sie in der Stadt wohnt und der Wald ein schöner Ausgleich dazu ist.


🐿️ Der Aufenthalt im Wald mit Kindern hat viele Vorteile. Die Kinder bewegen sich viel, gerade auch auf unebenem Terrain, was ihre grobmotorischen Fähigkeiten stärkt. Auch die Bewegung an der frischen Luft ist erwiesenermassen gesundheitsfördernd. Sie lernen acht zu geben auf ihre Umgebung, die Natur und ihre Mitschüler*innen. Kinder sind von sich heraus neugierig und offen und sie wollen acht geben, nicht nur den Pädagog*innen zu liebe, sondern gerade für die Natur, weil sie sich verbunden fühlen. Ausserdem lernen sie durchs Erleben, sie können einfacher selbstwirksam sein, gestalten und Verantwortung füreinander und für die Umwelt übernehmen. Das regelmässige Sein im Wald kann auch die Sozialstruktur einer Klasse ändern. Kinder, die im Schulzimmer vielleicht auffallen oder Mühe haben, können sich hier von einer anderen Seite zeigen, haben evtl. viele Ideen, was man im Wald alles bauen und unternehmen kann, was ihr Selbstwertgefühl stärkt. Kinder werden fantasievoller und kreativer, weil sie lernen mit dem, was es im Wald hat zu spielen. So kommen sie auch in eine tiefere Verbundenheit mit der Natur, was ihnen hilft flexibler zu werden.


Waldsofa
Waldsofa des Kindergartens Basel. © Claudia Müller

🐿️ Falls es Lehrpersonen gibt, die gerne die Natur noch mehr in ihren Schulalltag integrieren möchten, gibt Claudia hier ein paar Tipps mit auf den Weg:

  • Falls der Wald weit weg ist, ist auch der Aufenthalt in einem Park bereits wohltuend.

    Regelmässigkeit ist wichtig. Vielleicht kann man einen Waldmorgen pro Monat einplanen.

  • Es braucht Begleitpersonen im Wald, da man aus rechtlichen Gründen nicht alleine mit einer Klasse in den Wald gehen darf. Auch darum ist das Einplanen eines Waldmorgens wichtig, damit zusätzliche Personen angefragt werden können.

  • Weniger ist mehr: Im Wald braucht es gar nicht viel. Es ist schon vieles da und mit dem, was da ist, darf die Fantasie und Kreativität der Kinder angeregt werden. Kinder suchen sich das, was sie brauchen.

  • Das Sein im Wald braucht Übung, weil gewisse Kinder sich nicht gewohnt sind, im Wald zu sein. Sie stehen dann vielleicht zu Beginn orientierungslos da und wissen nicht, was mit sich anzufangen. Dies gilt es auszuhalten und ihnen die Zeit zu geben, um wahrzunehmen, was es überhaupt zu spielen gibt.

  • Nicht alle Lehrpersonen möchten mit der Klasse in den Wald gehen. Als Alternative zu einem regelmässigen Waldmorgen könnte beispielsweise ein Schulgarten aufgebaut und gepflegt oder eine Baumpatenschaft übernommen werden. Denn es ist wichtig, dass die Lehrperson sich im Wald auch wohl fühlt und das Sein im Wald nicht erzwingt, falls dies ihr noch fremd ist.


🐿️ Eine Frage, die Claudia oft begegnet, ist, ob im Waldkindergarten die Lernziele überhaupt erreicht werden können. Claudia erklärt, dass ihr Kindergarten an den Lehrplan 21 angeschlossen ist und sie verpflichtet sind, die Lernziele einzuhalten. Wenn man den Unterricht gut plant, dann stellt das zu einem grossen Teil kein Problem dar. Am herausforderndsten ist, den Bereich Informatik abzudecken, weil sie im Wald bewusst eine reduzierte Atmosphäre kreieren wollen und den Kindern somit keine technischen Geräte zur Verfügung stehen.

Der Wald bietet ein ganzheitliches Lernumfeld, in welchem die einzelnen Kompetenzen zum Teil automatisch abgedeckt werden (z.B. durch die automatische Bewegung, die die Kinder im Wald haben).



Übernachten im Wald
Übernachtung im Wald. © Claudia Müller

Als Elternteil mit Kindern in der Natur


🐿️ Claudias Arbeit als Naturpädagogin hat auch Einfluss auf ihren Alltag mit ihrer Tochter. Sie erzählt, dass sie beispielsweise bewusst, weniger Spielzeug haben, weil der Wert eines unfertigen Spielzeugs, wie ein Ast oder Stein, dem noch kein Nutzen zugeschrieben wurde, viel grösser ist. Das Kind will gar nicht das perfekte Spielzeug, sondern will erforschen können, was bei Naturmaterial schon gegeben ist. Es lernt so, mit wenig zufrieden zu sein.


🐿️ Claudia ist mit ihrer Familie viel draussen in der Natur. Oftmals ohne Plan, so dass etwas entstehen kann. Sie lässt ihrem Kind den Raum. In der Langeweile entstehen dann auch neue Dinge. Sie fördert die Kreativität, Fantasie und die kritische Denkfähigkeit. Kreativität gehört zu den Future Skills, die in unserer Zukunft wichtig sind. Es sind dies all die Fähigkeiten, die nicht von KI ersetzt werden können.


Geburtstags Matsch Kuchen
Geburtstags-Matsch-Kuchen © Claudia Müller

Drei konkrete Spielideen


🐿️ "Ich sehe etwas, das du nicht siehst": Das Spiel schärft die Sinne und macht auf Dinge aufmerksam, welchen man sonst vielleicht nicht so viel Beachtung schenken würde. Mit diesem Spiel merkt man dann auch, dass alle Farben des Regenbogens vorhanden sind. Ausserdem braucht es kein Material und keine Vorbereitung.


🐿️ "Fotokamera": Du führst das Kind mit geschlossenen Augen zu einem schönen Naturplatz und richtest seinen Kopf so, dass es nur diesen besonderen Ausschnitt sieht. Dann öffnet das Kind seine Augen und sieht vor sich dieses Bild, das sich wie einen Schatz offenbart, weil man Dinge sieht, die man sonst nicht sehen würde. Zusätzlich schafft es gegenseitiges Vertrauen, weil die führende Person die Verantwortung über die Person hat, die die Augen geschlossen hat. Das Spiel kann auch in der Stadt gespielt werden auf der Suche nach der Natur in der Stadt.


🐿️ "Barfuss": Laufe mit den Kindern auch wieder einmal barfuss im Wald. Dies gibt ein anderes Verständnis für die Natur, man ist langsamer und achtsamer unterwegs und ist ausserdem auch gesund für die Fussmuskulatur.


Claudias liebste Bücher über Naturpädagogik


  • Cornell, Joseph (2017): Cornells Naturerfahrungsspiele für Kinder und Jugendliche. Die besten Klassiker und neue Spiele. Mülheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr.


  • Franz, Margrit (2023): «Heute wieder nur gespielt» - und dabei viel gelernt! (5. Aufl.). München: Don Bosco Medien GmBH.


  • Labudde-Dimmer, Marlis; Jetzer Joli & Müller, Manu (2024): Den Wald entdecken. Zürich: Verlag LCH Lehrmittel 4bis8.


  • Tanner, Violette (2016): Kinderwerkstatt Wildpflanzenküche (3. Aufl.). Aarau und München: AT Verlag.



🌳 Finde Claudia und den Waldkindergarten Basel hier.

crappa e plema, Steine und Federn
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Ich bin auch Yoga Lehrerin und führe Rituale und Retreats in der Natur durch. Vielleicht sehen wir uns mal auf der Matte?

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