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Zyklisch leben

Zyklisch leben bedeutet, die Rhythmen der Natur, die auch deine eigenen sind, wahrzunehmen und dein Leben danach auszurichten. In diesem Artikel schauen wir uns die Jahreszeiten, die Mondphasen und den Menstruationszyklus an. Er ist der Auftakt einer Serie, in der wir uns vertieft mit den natürlichen Zyklen auseinander setzen.


Es ist der Bach, der meinen Namen ruft. Eingebettet in ein kleines Tal mitten in einem Wald, den ich den Feenwald nenne, fliesst er den Berg hinab. Mal sanft und leise, mal wild und ungebändigt. Wir haben uns im Winter kennengelernt, als er sich mir unter einer dicken Schneeschicht und überzogen mit Eiskristallen präsentierte. Das ständige Fliessen war beinahe nicht zu hören und doch war es da, unter der Oberfläche.

Doch im Frühling dann verwandelte der Bach sich. Er war kaum wiederzuerkennen in seiner Wucht. Die Schneeschmelze brachte Unmengen von Wasser und mein kleiner, sanfter Bergbach, wurde zu einem reissenden Fluss. Aber er war nicht minder faszinierend, denn sein neues Gewand passte zu den Prozessen, die um ihn herum Gestalt annahmen. Dieses aus seiner Haut Bersten, das Aufwachen, das sich neu Erfinden des Frühlings übernahm auch den Bach.

Im Sommer wurde der Bach wieder ruhig, jedoch nicht auf dieselbe Weise wie im Winter. Zwar trug er wieder weniger Wasser, aber er wurde zu meiner kleinen Genussinsel. Das kühle Wasser, das meinen Körper umschmeichelte, versprach puren Genuss an einem warmen Sommertag. Das dichte Laubdach der Erle, das den Bach überspannt, wurde zu meinem zweiten Wohnzimmer, denn mein Leben spielte sich draussen ab.

Jedoch für meinen Geschmack viel zu schnell musste ich mich wieder von diesen gemütlichen Sonnenstunden verabschieden. Die Schatten zogen ins Tal des Bachs. Das hat der Herbst so an sich: Er lehrt mich immer wieder, dass alles vergänglich ist, dass alles in konstanter Veränderung ist und dass das Loslassen dazugehört. Doch gleichzeitig machte er mir den Abschied vom Sommer auch nicht allzu schwer, denn die kühleren Temperaturen der Luft, aber auch des Wassers wurden zu meinem Freund. Ich, das Sommerkind, sehnte mich plötzlich nach der Kälte und ich überraschte mich selbst, dass ich einfach nicht mehr aufhörte, meinen Körper ins Wasser zu tauchen, auch wenn der Bach längst wieder mit Eiskristallen dekoriert war.

Der Bach hat mich in die Rhythmen der Natur eingeführt und mich das zyklische Leben gelehrt. Hier gebe ich dir eine Einführung in etwas, das meine Sichtweise auf die Natur und mein Leben grundlegend verändert hat.


Silvana Candreia im Bach

 

Die Jahreszeiten

Die Natur hat ihren eigenen Rhythmus, den wir alle, egal wie verbunden oder getrennt wir von Mutter Erde sind, in den Jahreszeiten spüren können. Im Verlauf des Jahrezyklus verändert sie sich. Sie wechselt nicht nur ihre Erscheinung, ihr Kleid, auch die Energie, die uns umgibt wird anders. Wenn im Frühling alles wieder erwacht, die Blumen zu blühen beginnen und die Tage länger werden, können wir den Aufschwung auch in uns selbst spüren. Wenn der Sommer übernimmt und die Sonne ihre volle Kraft entfaltet, alles wächst und Früchte hervorbringt, dann sind auch wir Menschen oftmals in unserer Kraft. Unser Leben spielt sich dann viel mehr draussen ab, wir sind extrovertierter, was im Herbst dann wieder abnimmt. Unser Fokus beginnt wieder nach innen zu wandern, es gilt loszulassen, aber auch die Früchte unserer Arbeit - sprich- und wortwörtlich - zu ernten. Denn auch hier zeigt es uns die Natur vor. Die Blätter der Bäume verfärben sich und fallen auf den Boden, die Tage werden wieder kürzer und kälter. Und wenn dann der Winter einzieht, der Boden gefriert, die Bäume kahl sind und die Erde unter einer Schneedecke liegt, dann ist es auch Zeit für uns zu ruhen und zu träumen. Denn die Natur lebt es uns vor: Wachstum braucht Pausen.



 

Der Mondzyklus

Was für die Jahreszeiten gilt, kann auf den Mondzyklus angewendet werden, einfach in einem schnelleren Durchlauf. Der Mond braucht ungefähr 29 Tage, um sich einmal um die Erde zu drehen. Währenddessen durchläuft auch er verschiedene Phasen. Im Verlauf dieses Zyklus’ wird die Oberfläche des Mondes von der Erde aus gesehen je nach dem mehr oder weniger von der Sonne beschienen. Bei Neumond ist die Sonne ins seinem «Rücken», weshalb wir den Mond von der Erde aus nicht sehen können. Der Nachthimmel ist dunkel und ein neuer Zyklus beginnt. Wie im Winter laden diese 2 bis 3 Tage dazu ein, den vergangenen Monat zu reflektieren, sich neu auszurichten und Intentionen zu setzen.

Wenn der Mond gleich nach Neumond beginnt zuzunehmen, kommen die Qualitäten des Frühlings ins Spiel. Der Mond beginnt scheinbar zu wachsen und so auch unsere Pläne und Ideen. Gewisse werden bereits hier geweckt und erste Schritte in ihre Richtung können unternommen werden.

Der Mond entfaltet seine vollste Kraft bei Vollmond, der dem Sommer entspricht. Manche Menschen fühlen sich in dieser Mondphase unruhig oder können nicht gut schlafen, weil die Energie des Vollmondes sehr aktiv sein kann. Er bringt die Kreativität und das Tun. Aber weil der Vollmond alles hell erleuchtet, macht er auch auf unsere Schatten aufmerksam, die während dieser Zeit ans Licht kommen. Deshalb wird bei Vollmond-Ritualen oft der Fokus auf das gerichtet, was uns nicht mehr länger dient und was losgelassen werden möchte.

In der Herbst-Phase des Mondes, bei abnehmendem Mond, kehrt die Energie dann langsam wieder nach innen. Der Himmel wird mit jeder Nacht etwas dunkler, was auch für uns einen Abschluss bedeuten kann.

 



Höre meine Songs zu den Mondphasen: "The Moon Series".


Der Menstruationszyklus

Jeder natürliche Zyklus verläuft nach genau diesem Schema der Jahreszeiten und des Mondes. So auch der Menstruationszyklus. Für mich ging eine neue Welt auf, als ich dies verstanden habe. Etwas, das mich seit mehr als der Hälfte meines Lebens monatlich begleitet, bekam plötzlich einen Sinn. Plötzlich waren die Veränderungen in meinem Energiehaushalt und meiner Stimmung nicht mehr willkürlich. Und ganz ehrlich, es machte mich auch ein wenig traurig, dass ich so lange gebraucht habe, um meinen Zyklus schätzen zu lernen. Aber was ich noch viel mehr fühlte, war die Wut. Die Wut darüber, dass wir unseren eigenen Körper missachten, dass wir den Menstruationszyklus vielleicht aus einer biologischen Perspektive in der Schule mal kurz – und mit viel Scham verbunden – durchgenommen haben, aber uns nie jemand gezeigt hat, wie wir mit ihm arbeiten können, anstatt gegen ihn.

Ich bin in einer sehr privilegierten Situation, weil ich meine Arbeitszeit als selbstständig Erwerbende selbst einteilen kann. Und über die Jahre habe ich meine Arbeit immer mehr nach meinem Zyklus ausgerichtet. Zu Beginn meines Zyklus, während der Menstruation, brauche ich viel Ruhe. Es ist der Winter meines Körpers, in dem ich mich zurückziehe und beginne mich auf den neuen Zyklus auszurichten. Ich setze während dieser Zeit bewusst Intentionen, die mich in meiner Arbeit, aber auch in allen anderen Lebensbereichen, während der nächsten 21 bis 30 Tagen (das ist die durchschnittliche Dauer eines Menstruationszyklus’) begleiten.

Meine Energie nimmt während er Follikelphase (die Phase direkt nach der Menstruation) zu. Ich lasse meine Samen wachsen und beginne ins Handeln zu kommen. Die Follikelphase hat dieselben Eigenschaften wie der Frühling oder der zunehmende Mond.

Während des Eisprungs, was dem Sommer und dem Vollmond entspricht, erreicht meine Energie den Höchststand. Dann kann ich viel mehr als sonst arbeiten, mein Körper verlangt nach einer etwas intensiveren Yogaeinheit und oftmals ist mein Ausblick aufs Leben während diesen 2 bis 3 Tagen sehr positiv.

Der innere Herst wird als Lutealphase bezeichnet und oftmals ist dies die längste Zeit im Zyklus. Der Körper macht sich bereit für eine eventuelle Schwangerschaft, für die Frucht seiner Arbeit. Auch ich nehme in dieser Phase oft wahr, dass etwas zum Abschluss kommt, dass ich Dinge noch fertig machen will und dass meine Energie gegen Ende des Zyklus' stark abnimmt.

 

Falls du einen Menstruationszyklus hast, so lege ich dir sehr ans Herz, dich mit deinem eigenen Zyklus auseinanderzusetzen. Dokumentiere während deines nächsten Zyklus’, wie du dich zu welchem Zeitpunkt fühlst, welche Arbeiten dir leicht bzw. schwer fallen, wie sich dein Körper verändert etc. Aber auch ohne Menstruationszyklus kannst du zyklisch leben, indem du mit der Energie des Mondes mitgehst und dich von den Qualitäten der Jahreszeiten beeinflussen lässt.


Tabelle übers zyklische Leben

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crappa e plema, Steine und Federn
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Ich bin auch Yoga Lehrerin und führe Rituale und Retreats in der Natur durch. Vielleicht sehen wir uns mal auf der Matte?

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