Im Rhythmus der Natur

Liebe:r Leser:in dieser Worte


Ist es zu spät, dir ein gutes neues Jahr zu wünschen? Wir haben ja schon beinahe einen Sechstel dieses Jahres hinter uns und ich weiss nicht, wie es dir dabei geht, aber ich hoffe doch, dass du gut gestartet bist.

Vielleicht hast du bemerkt, dass ich hier schon länger nichts mehr veröffentlicht habe. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass du dir dessen gar nicht bewusst warst, denn seien wir ehrlich, in deinem Leben passiert Einiges und dieser Blog ist nicht der Mittelpunkt davon. =)

Nichtsdestotrotz möchte ich dir die Geschichte hinter meiner Abwesenheit erzählen, denn ich denke, dass du für dich auch etwas daraus mitnehmen kannst. Zumindest hoffe ich das, so wie ich das immer tue, wenn ich etwas Persönliches teile, da ich überzeugt bin, dass wir alle miteinander verbunden sind und oftmals durch ähnliche Sachen gehen.



Mein Jahr startete ich mit einem Plan. Ich wollte weiterhin im metaphorischen Sinne, aber auch wortwörtlich, Samen für mein Traumleben säen. Ich wollte die Pflänzchen heranwachsen sehen und ich wollte die Früchte meiner harten Arbeit ernten. In mein Tagebuch schrieb ich am Neujahrsabend: Mein Wort fürs Jahr 2022 ist GARTEN. Das Wort "Garten" schrieb ich gross und in einer speziellen Schrift auf eine leere Seite, dekorierte es mit Schnörkeln und malte es aus. Es fühlte sich gross an und wichtig und ich war stolz auf mich, ein solch schönes und bedeutungsvolles Wort für mein Jahr ausgewählt zu haben.

Und so machte ich mich voller Elan auf den Weg in den Januar. Er versprach ein aufregender Monat zu werden, da ich zum ersten Mal mit einer Freundin ein Retreat hier im Dorf durchführen wollte und sich auch tatsächlich genug Menschen dafür interessierten und anmeldeten. Doch schon bald fand ich mich vor einem leeren Terminkalender wieder, denn durch die derzeitige Weltlage mussten wir das Projekt verschieben.

Nicht so schlimm, dachte ich und folgte sofort meinem ersten Impuls, die gewonnene Zeit mit etwas Anderem zu füllen. Ich schrieb eine Liste mit Projektideen für den kommenden Monat. Alles Dinge, von denen ich wusste, dass ich sie gerne tue und die mein Herz und meine Kreativität höher schlagen lassen. Eigentlich. Denn nun sass ich vor meiner seitenlangen Liste und nichts davon sprach mich an. Ich fühlte mich nicht inspiriert und auch nicht motiviert, etwas Neues anzupacken.


Die Bäume schauten mich ruhig und still an.

Also ging ich in den Wald. Auf meinen Spaziergängen und Streifzügen fliegen mir nämlich oft Antworten zu. Ich führe Gespräche mit dem Wald und seinen Bäumen und nicht selten komme ich mit einem durchgelüfteten Kopf und einer Klarheit darüber, was ich als nächstes tun soll, nach Hause. Es gibt ein Waldstück, wo ich mich besonders verbunden fühle und schon bald stapfte ich dort durch den Schnee. Ziemlich unbewusst und ziemlich frustriert fragte ich in den Wald hinaus: "Was soll denn jetzt bitteschön durch mich erschaffen werden?"

Die Bäume, in eine dicke Schneeschicht gehüllt, schauten mich ruhig und still an.

Nichts, sagten sie, nichts soll jetzt durch dich erschaffen werden.


Ich blieb stehen und musste lachen, die Antwort war so klar und so eindeutig! Ja, natürlich! Es ist Winter und der Winter steht für Ruhe und Reflexion. Für Stille und fürs Träumen. Für die Leere und die Zeit sich auszuruhen, um im Frühling wieder voller Kraft durchzustarten.

Und ich erinnerte mich an mein grossartiges Wort fürs Jahr 2022. Garten. Ich sah mich Samen säen im Frühling, den Pflanzen im Sommer beim Wachsen zusehen und die Früchte im Herbst ernten. Aber dass der Boden und somit der Garten im Winter ruht, habe ich völlig ausser Acht gelassen.


Als ich meinen Job verliess und vor einem Jahr meinem Stadtleben den Rücken kehrte, war es ein grosser Wunsch von mir, die natürlichen Zyklen zu achten und einen Rhythmus in meinem Leben zu finden, der dem der Natur entspricht, da ich diesen schon lange spürte. Nun durfte ich dieses Jahr mit dieser wundervollen Lektion beginnen: Ich darf nicht nur ruhen, ich muss es tun, damit mein Boden wieder fruchtbar wird. Wie erstaunlich, ja beinahe schon magisch, alles doch zusammenkam...



Lustigerweise stolpere ich seit diesem Moment immer wieder über Bücher, die genau von diesen Zyklen handeln und über Menschen, die von ähnlichen Erfahrungen berichten. Falls dich dieses Thema auch so sehr interessiert, möchte ich dir die Webseite von Susana Garcia Ferreira und ihren Newsletter sehr ans Herz legen.

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