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Waldbaden - eine Einführung

Der Schlüssel zur Bewahrung unseres Waldes liegt darin, unsere Verbindung mit ihm aufrecht zu erhalten. (...) Fühlen wir uns mit der Natur verbunden, wollen wir uns auch um sie kümmern.


Dr. Qing Li

Die wertvolle Medizin des Waldes



Ein Wald zum Waldbaden

Als ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal den Begriff "Waldbaden" gehört habe, war ich sofort interessiert. Denn er kombinierte zwei meiner liebsten Wörter, den Wald und das Baden. Auch wenn letzteres hier nicht unbedingt wortwörtlich gemeint ist. Nun wohne ich seit über drei Jahren in den Bergen, so nahe an der Natur wie noch nie, und es sind der Wald und das Bad im Bach, die mich täglich rufen. Ich trat in einen Lehrvertrag ein mit der Natur, der wohl mein ganzes Leben andauern wird. Dass ich hier diese Verbindung zum ursprünglichsten, wahrsten Teil von mir finden würde, habe ich wahrscheinlich unbewusst gehofft, aber erwartet habe ich es nicht. Umso erstaunter bin ich immer wieder, dass mich das Leben hierher geführt hat, in die Arme des Waldes.

Letzten Herbst habe ich eine neue Ausbildung begonnen, zur Waldbade Kursleiterin. Auch wenn ich bereits seit langem waldbade, ohne dem, was ich im Wald tue, bisher einen Begriff gegeben zu haben, so interessierte mich das fundierte Auseinandersetzen mit der Praxis aus Japan. Und weil es in meinem online Magazin um die Verbindung mit der Natur und um deren Schutz geht, möchte ich dich heute ins Waldbaden einführen. Am Schluss findest du ausserdem noch einige einfach Übungen, die du gerne auf deinen nächsten Aufenthalt im Wald mitnehmen kannst. Und dies schon mal vorweg: Du musst nicht unbedingt in der Nähe eines Waldes wohnen, du kannst auch im Stadtpark ein Waldbad geniessen!

Ausserdem freue ich mich, im nächsten Naturmensch-Gespräch Annette Bernjus zu Gast zu haben, eine der Ersten, die in Deutschland ein Buch übers Waldbaden veröffentlicht hat.


Was ist Waldbaden?

Waldbaden ist mehr als nur ein Spaziergang durch den Wald. Es ist das absichtslose und achtsame Sein in der Natur. Bei einem Waldbad tauchst du mit allen Sinnen ein in die Atmosphäre des Waldes. Der Begriff stammt aus dem Japanischen "Shinrin Yoku", was übersetzt eben Waldbaden heisst (wobei das Baden hier nicht als Baden in einem Gewässer zu verstehen ist, sondern das Baden in der Luft des Waldes).

Bei einem Waldbad nimmst du dir ganz bewusst Zeit für dich und die Natur. Du hörst dabei keine Musik, telefonierst nicht und siehst es auch nicht als Workout an. Du schlenderst und bleibst immer wieder stehen. Langsamkeit und Achtsamkeit sind hier die Stichworte.


Nebliger Wald

Die Wirkung

Dr. Qing Li ist der Begründer der Waldmedizin und er hat die Praxis aus wissenschaftlicher Sicht erforscht. Ich möchte das hier gerne erwähnen, weil wissenschaftliche Studien in unserer Gesellschaft oftmals grössere Anerkennung geniessen als reines Fühlen und spirituelles Woo-woo. Aber ich nehme an, du kannst es aus eigener Erfahrung bestätigen: Zeit in der Natur tut auf mehreren Ebenen gut. Nicht nur atmest du frische Luft und bewegst dich, auch Sorgen können verfliegen und somit ist der Wald Balsam für die Seele. Und genau dies haben auch zahlreiche Studien bestätigt. Ein achtsamer Aufenthalt im Wald wirkt sich positiv auf unsere psychische Gesundheit und auf unser Immun- und Nervensystem aus. Weil wir langsam unterwegs sind und unsere Sinne öffnen, begeben wir uns in einen Zustand, der ähnlich der Meditation ist, was unserer Psyche zugute kommt. Ausserdem gibt es Studien, die zeigen, dass die Farbe grün, die wir im Wald vorwiegend vorfinden, eine beruhigende und heilsame Wirkung haben.

Die Bäume stossen Terpene aus, Botenstoffe, mit denen sie untereinander kommunizieren. Diese Terpene atmen wir Menschen ein. Du kannst sie riechen, wenn du an einem warmen Sommertag im Wald unterwegs bist. Sie machen sich durch diesen typischen Waldgeruch bemerkbar. Und sie sind dafür verantwortlich, dass unser Immunsystem bei einem Bad im Wald gestärkt wird.


Wie geht's?

Nimm dir Zeit, das ist wohl das wichtigste. Ich empfehle dir ein Zeitfenster von mindestens einer Stunde, mehr ist natürlich auch gut. Du brauchst einen Ort, an dem du dich wohl und sicher fühlst. Falls du einen Wald in der Nähe hast, super. Aber auch der Waldrand, eine Wiese, ein Gewässer oder sogar ein Stadtpark eignen sich fürs Waldbaden. Natürlich ist es am besten, wenn du einen ruhigen Ort aufsuchst, abseits von Menschen und den Geräuschen der Zivilisation. Aber auch hier gilt: Du kannst beinahe überall Waldbaden, wo es Anzeichen der Natur gibt.

Und dann schlenderst du. Du nimmst dir Zeit, deine Umgebung wirklich wahrzunehmen und zwar mit möglichst vielen Sinnen. Du bleibst stehen, setzt dich vielleicht mal hin und falls du noch mehr Anleitung möchtest, kannst du eine der drei Übungen ausprobieren.


Öffne deine Sinne

Suche eine Stelle in der Natur auf, an der du bequem und ungestört für eine Weile stehen oder sitzen kannst. Schliesse deine Augen und nimm dir einen Augenblick Zeit, um deinen Atem wahrzunehmen und hier anzukommen. Konzentriere dich dann auf deinen Hörsinn. Was hörst du hier? Du nimmst alles wahr, ohne zu bewerten. Kannst du auch unter die offensichtlichen, vordergründigen Geräusche hören?

Als nächstes fokussierst du dich auf deinen Riechsinn. Was riechst du? Und auch hier bleibst du mehrere Augenblicke. Nimm dir Zeit, dich mit deinen Sinnen auseinanderzusetzen, gerade mit solchen, die wir nicht so oft brauchen.

Dann gibst du dem Tastsinn Raum. Was spürst du? Wie fühlt sich deine Haut an? Falls du am Boden sitzt, erforsche mit deinen Händen auch den Boden, das Gras, einen Baumstamm.

Erst jetzt öffnest du die Augen. Was siehst du? Nimm die unterschiedlichen Farbtöne wahr. Weite deinen Blick und schaue aufs Ganze, dann lass dein Blickfeld ganz klein werden und konzentriere dich nur auf einen Ausschnitt.

Und zum Schluss - aber hier musst du dich ganz, ganz sicher fühlen - kannst du deinen Geschmackssinn aktivieren. Falls du etwas Essbares in deiner Nähe entdeckst (zum Beispiel eine Beere oder essbare Blüte), nimm sie in den Mund und schmecke sie. Aber bitte nur kosten, wenn du dir absolut sicher bist, dass du nichts Giftiges isst!

Einen Baum umarmen

Einen Baum umarmen

Suche dir einen Baum, der dich anspricht und mache genau das: Umarme ihn. Wenn du magst, kannst du wirklich deinen ganzen Körper um den Baumstamm schlingen, vielleicht deine Stirn an ihn pressen und einige Minuten so bleiben. Nicht nur schenkt dir diese Baumumarmung eine Verbindung mit dem Baum und ein Gefühl von Geborgenheit, deine Haut in Kontakt mit der Rinde nimmt auch nochmals diese wertvollen Terpene auf.

Falls dir die Ganzkörper-Umarmung unangenehm ist, kannst du auch lediglich deine Handflächen auf den Baumstamm legen und so eine Weile bleiben.



Barfuss laufen im Wald
Barfuss gehen

Für diese Übung ist es am besten, wenn du auf einem Naturpfad gehst, aber selbstverständlich klappt sie auch auf einem geteerten Weg. Unsere Füsse sind viel zu oft eingeschlossen und somit ist diese Übung nicht nur sehr wirksam, sondern sie kann auch befreiend sein. Zieh deine Schuhe und Socken aus und laufe einen Abschnitt deines Weges barfuss. Auch hier geht es um die Achtsamkeit. Laufe langsam und nimm wahr, wie sich der Erdboden, das Moos, das Gras, die Steine, die Wurzeln unter deinen Fusssohlen anfühlen.




Quellen und Ressourcen:

Dr. Qing Li - Die wertvolle Medizin des Waldes, Wie die Natur Körper und Geist stärkt

Annette Bernjus - Waldbaden, Mit der heilenden Kraft der Natur sich selbst neu entdecken




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Ich bin auch Yoga Lehrerin und führe Rituale und Retreats in der Natur durch. Vielleicht sehen wir uns mal auf der Matte?

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