Gescheitert

Irgendwie fällt es mir schwer, diesen Beitrag zu starten. Es ist unangenehm und Vieles fasse ich zum ersten Mal in Worte. Aber ich weiss, dass es mir helfen wird, Worte zu finden für das, was ich gerade fühle. Ich befinde mich in einem dieser Lernmomente, in welchen ich spüre, dass sie unglaublich wichtig sind, weil sie mir Klarheit über meinen Weg geben werden. Doch diese Momente sind auch mit viel Spannung verbunden, die sich nicht so leicht aushalten lässt. Es ist wie eine Raupe, die sich verpuppt und sich nun als Schmetterling aus ihrem engen Kokon zu winden versucht. Unangenehm und anstrengend.



Wie du dem Titel entnehmen kannst, bin ich gescheitert. Wobei ich eigentlich nicht sagen würde, dass ICH gescheitert bin, sondern das, was ich vorhatte. Ich hatte für dieses Jahr nämlich einige Projekte aufgegleist, die bereits geplant und zur Umsetzung bereit waren. Und eines nach dem anderen musste ich absagen. Corona. Zu wenige Interessierte. Genug Interessierte, die sich aber alle wieder abmeldeten. Drei Projekte in drei Monaten mit drei verschiedenen Gründen, die sie zum Scheitern gebracht haben.


Ich glaube nicht, dass das Zufall ist. Irgendjemand da oben will mich testen, will wissen, ob ich es ernst meine und mir helfen, Klarheit darüber zu gewinnen, was ich wirklich mit vollem Herzen tun möchte. Bei einem dieser drei Projekte kann ich nämlich bereits jetzt sagen, dass es gut ist, dass es nicht stattfinden wird. Es hat viel in mir ausgelöst und mir ein Stück weit geholfen, Altes zu verarbeiten und dafür war es gut. Wahrscheinlich war das alles, was es mir beibringen musste und ist deshalb schon früh wieder gegangen.


Das letzte Projekt das ich absagen musste, war das Retreat. Hier gestaltet sich der Lernprozess, in dem ich mich gerade befinde, ganz anders. Es steckt so viel Herzblut in der Gestaltung des "einfachSein"-Wochenendes, nicht nur von mir, sondern auch von meiner Retreat-Partnerin Martina. Bei der Planung habe ich bereits gespürt, dass es das ist, was ich mit meiner Zeit, Energie und meinem Wissen tun möchte. Es ist mehr als einfach ein Projekt, es ist ein Traum, der wahr werden will. Und dieses Gefühl und mein Wille wurden nur noch stärker, als von den sieben Teilnehmerinnen, sich sechs innerhalb der letzten drei Wochen alle unabhängig von einander wieder abmeldeten. Mit jedem Mail, das mit "Leider muss ich mich wieder vom Retreat abmelden, denn..." begann, wuchs eine Entschlossenheit in mir heran, die sich wild und unbändig anfühlt. Im allerbesten Sinne.


Ich glaube, das Scheitern kann man von verschiedenen Seiten betrachten. Man kann es als etwas sehen, das man unbedingt wollte und das dann aber nicht geklappt hat. Man kann sich darüber aufregen, traurig sein, alles hinterfragen.

Scheitern kann jedoch auch eine Chance sein. Eine Chance aus dieser Erfahrung zu lernen und sich zu fragen, ob man es wieder tun will und wenn ja, was man dann anders machen könnte.

Ich sage bewusst, dass nicht ICH gescheitert bin, weil ich mittlerweile in jedem Scheitern ein riesiges Potenzial sehe, mich weiterzuentwickeln. ICH habe vielleicht Fehler gemacht, aber gescheitert bin ich nicht, denn für meine ganz persönliche Geschichte macht dieses Scheitern Sinn.

In einem Buch, das ich gerade lese, werden unangenehme oder nicht erwünschte Situationen als Arsch-Engel bezeichnet. Das finde ich irgendwie passend. Denn solche Erlebnisse sind nicht toll, im Gegenteil sie sind zum Davonlaufen. Doch wenn man sich eben wirklich darauf einlässt, dann entpuppen sie sich oftmals auch als Engel, da wir an den Herausforderungen viel für unser weiteres Leben lernen können.


Und so richte ich nach dem Scheitern unseres Retreats wieder mein Krönchen und gehe weiter. Wie immer ist die Natur mein bester Ratgeber. Eine kleine Eiche hat mir in einem Moment, in dem ich die Hoffnung beinahe verloren habe, zugeflüstert, dass wir doch alle klein anfangen müssen. Sie stand da, fragil und beinahe unsichtbar in Mitten des Feldes und nur ein paar Meter weiter, stand ihre Mutter. Gross, mächtig und weise. Auch sie hat einmal klein angefangen.


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