Garten

Ich bin Garten-Anfängerin, doch schon lange schlummert in mir der Traum von einem Häuschen am Waldrand mit viel Land, auf welchem ich mein eigenes Gemüse anbaue. Nun ist dieser Traum erst am Entstehen, doch mein Leben hier in den Bergen bietet gute Übungsmöglichkeiten. Bereits letztes Jahr habe ich Gemüse und Kräuter in meinem kleinen Garten hinter dem Haus gepflanzt. Damals habe ich einfach mal gemacht und nach bestem Wissen (das sehr klein war) und Gewissen (das sehr rein war) gesät und gesetzt. Dieses Jahr habe ich expandiert: das bestehende Beet wurde vergrössert, ein Neues erschaffen und viele Töpfe mehr mit Kräutern und Blumen bestückt. Ich hatte eine Vision, ich hatte einen Plan und ich war fest entschlossen. Doch natürlich kam alles anders. Viel habe ich dadurch gelernt dieses Jahr, nicht nur übers Gärtnern, sondern auch über mich und das Leben. Hier sind ein paar meiner Lernmomente:


Die gelben Topinambur-Blüten werden als Strauss in einer Hand gehalten.

Geduld

"Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht."

Geduld war noch nie meine Stärke. Vor allem dann nicht, wenn ich ein Bild vor meinem inneren Auge sehe, das so klar ist. Ich sah mein neues Beet, bestückt mit allerhand Blumen. Ein bisschen wild. Ein bisschen chaotisch. Aber ein Paradies für alle Insekten. Sonnenblumen, Mohn, Sonnenhut, Ringelblumen, Zinnien, Leinkraut, Tagetes und Veilchen. Keine einzige davon wuchs. (Der Grund dafür: siehe dritter Punkt.)

Manches von meinem Gemüse wuchs wunderbar, anderes schlecht, oder nicht dann, wann ich es eigentlich wollte. Manche Pflanzen habe ich nicht richtig gesetzt, zu nah oder zu weit weg. Mit dem falschen Beetpartner verbunden oder am falschen Ort im Beet. Doch nun muss ich über ein halbes Jahr warten, bis ich es beim nächsten Mal besser machen kann. Geduld ist also gefragt, denn Wachstum braucht Zeit.


Erwartungen loslassen

"Das entspricht nicht meinen Erwartungen."

Stark verknüpft mit dem Üben in Geduld ist das Loslassen von Erwartungen. Oftmals handle ich und erwarte ein bestimmtes Resultat. Ich liebe Pläne und daran ist auch nichts falsch, aber wenn der Plan so weit ausgereift ist, dass er alles schon vorherbestimmt, dann lässt er keinen Spielraum mehr für die Dinge, die ich noch gar nicht kenne. Und mittlerweile bin ich in diesem Spiel des Lebens doch so weit fortgeschritten, dass ich weiss, dass Vieles eben nicht nach Plan läuft. Also könnte ich doch einfach des Handels wegen handeln ohne irgendetwas zu erwarten, ohne auf ein bestimmtes Resultat aus zu sein. Locker bleiben und einfach mal schauen.

Auch beim Gärtnern hat sich dieser Punkt stark bemerkbar gemacht. Ich hatte wirklich einen Plan und natürlich kam alles anders. Aber das heisst nicht, dass das nicht gut ist. Ich habe mich über die vielen, vielen Zucchinis gefreut. Wenn ich mal eine Erdbeere ernten konnte, die nicht angeknabbert war, war das ein Erfolg. Und als eine einzige Ringelblume (der Dutzenden, die ich gesät habe) tatsächlich ihre unversehrten Blätter aus der Erde streckte und dann auch noch Blüte um Blüte hervorbrachte, erwärmte das mein Herz. Ja, geplant war es anders: eigentlich wollte ich viele Ringelblumen und Erdbeeren und nebst den Zucchinis gerne auch noch anderes Gemüse in grosser Menge, doch so wie es dieses Jahr kam, ist es auch gut.


Unberechenbarkeit

"Ich wurde zur Schnecke gemacht."

Ach, ihr Schnecken, ihr... Was soll ich sagen, ich bin eine Tierfreundin und würde niemals einer Tierseele bewusst etwas zuleide tun. Doch dieses Jahr war ich kurz davor, wie meine Grossmutter, die Schnecken-Schere hervorzuholen. (Was ich nicht tat. Stattdessen habe ich sie kübelweise eingesammelt, bin mit ihnen spazieren gegangen und habe sie unterhalb des Dorfes wieder ausgesetzt.) Einige Male habe ich gewitzelt, dass alle Schnecken des Dorfes bei mir im Garten sind, weil sie genau wissen, dass ich ihnen nichts antue. Anders kann ich es mir nicht erklären, schienen alle anderen Gärten doch schneckenfrei.

Doch die Schnecken haben mir gezeigt, dass vieles im Leben unberechenbar und dass mein Garten Teil der Natur ist. Das Land, auf dem meine Beete stehen, habe ich eigentlich nur von ihr geliehen.

Ausserdem hat es meinen Ideenreichtum und Erfindergeist neu geweckt. Ich habe gefühlt alle natürlichen Schnecken-Abschrecker ausprobiert und muss sagen, dass Kaffeesatz am besten funktionierte. Etwas, dass ich mir fürs nächste Jahr vormerke, wenn alles wieder einmal anders sein wird. =)

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