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Algorithmus vs. Naturrhythmus

Nachdem ich dieses Jahr mehrmals digital detox, also eine digitale Entgiftungskur, gemacht habe, suche ich nun einen Weg, wie ich den Algorithmus der sozialen Medien in Einklang mit meinem Naturrhythmus bringen kann. Geht das überhaupt oder schliessen sich die beiden aus?


In mir wird seit einiger Zeit ein Kampf ausgetragen, dessen Ausgang ich noch nicht kenne. Manchmal zerrt es mich in die eine Richtung, obwohl ich mich nach der anderen sehne. Ich weiss, wen ich als Sieger hervorgehen sehen möchte, doch die andere Seite ist brutal stark.

Manchmal zoome ich in Gedanken raus und beobachte das Verhalten von uns Menschen, mein Verhalten. Eigentlich ist es äusserst bizarr, wie ich lebe. Ein kleines viereckiges Ding bestimmt meinen Tag. Ich gehe nicht aus dem Haus ohne mein Handy. Und auf diesem Handy gibt es eine App, die mehrmals täglich gecheckt werden möchte. Die sozialen Medien haben mich im Griff und deren Algorithmus diktiert mein Schaffen.


Ich habe mich lange gegen Instagram gewehrt. Intuitiv musste ich gespürt haben, dass es kein Zurück gibt, wenn ich einmal diesem Club beitrete. Und so war ich anfangs nur als stumme Beobachterin auf der Plattform anwesend. Mich erwartete eine Welt, die so viel schöner war, als ich mir das im Voraus vorstellte. Ich folgte nur Menschen, die mich inspirierten und von denen ich etwas lernen konnte. Dann wurde ich selbstständig und wenn du dein eigenes Business aufbaust, führt beinahe kein Weg an Instagram vorbei. Ich musste aktiv werden, Bilder und Worte teilen und somit begann meine Gefangenschaft. Das mag dramatisch klingen, doch ist es nicht so? Sind wir nicht gefangen von mathematischen Formeln, die wir nicht verstehen? Zieht es uns nicht immer wieder in die Arme der sozialen Medien, obwohl wir wissen, es sogar wissenschaftlich erwiesen ist, dass zu lange Zeit darauf uns nicht gut tut?

Ich möchte hier nicht zur Schwarzmalerin werden, denn es gibt nach wie vor Tage, an denen ich gerne auf Instagram bin. Schöne Bilder zu teilen, meine Natur-Inspirationen zu verfassen, mich im Schreiben zu üben und kleine Ausschnitte aus meiner Welt zu zeigen, mache ich oft wirklich gerne. Genauso wie ich es inspirierend finde, anderen Menschen auf ihrem Weg zu folgen. Ich konnte schon viel lernen auf dieser Plattform und gerade im Aufbau meines Businesses Gleichgesinnte finden.

Doch es stört mich zunehmend, dass ich nicht mehr aus Freude poste, sondern weil ich weiss, dass der Algorithmus mich ignorieren wird, wenn ich es nicht regelmässig tue. Es stört mich, dass ich nicht mehr dann poste, wenn ich mich inspiriert fühle, sondern einem Takt verfalle, der der Algorithmus mir vorschreibt. Es stört mich, dass ich nicht mehr poste, weil ich einen schönen Gedanken hatte und den für mich festhalten wollte, sondern um mehr Likes zu generieren, damit der Algorithmus sieht, dass ich es wert bin, an andere weiterempfohlen zu werden. Mein Verhalten auf Instagram ist nun fremdgesteuert von einem Rhythmus, aber nicht von demjenigen, den ich gerne als Sieger hervortreten sehen möchte.


Eine Frau umarmt einen Baum

Dieses Jahr hat schon mit einer gewissen Müdigkeit begonnen, die sich Monat für Monat durchgezogen hat. Ich merkte, dass meine Selbstfürsorge ganz wichtig ist in Momenten, in denen ich mich ausgelaugt fühle, und dass ich viel Zeit für mich brauche. Mein Thema ist der Rhythmus der Natur und immer wieder darf ich lernen, diesen wieder in mein eigenes Leben zu integrieren. Dieser Rhythmus kommt von innen, er ist, wie ich eigentlich bin. Der Algorithmus kommt von aussen und möchte diesem natürlichen Rhythmus den Garaus machen. Und so habe ich dieses Jahr schon mehrmals digital detox gemacht, mich also digital entgiftet. Es braucht immer eine Weile bis meine Hände verstehen, dass sie in einem Moment der Langeweile nicht nach dem Handy, sondern nach einem Buch greifen können, doch dann wird man von Stille empfangen und es ist wunderbar. Jedes Mal war es eine grosse Herausforderung wieder in die digitale Welt, allen voran in die sozialen Medien, zurückzukehren. Und jedes Mal ging es schnell und ich schwamm schon wieder mit dem Strom des Algorithmus mit.

Ich möchte gar nicht ganz aussteigen, weil ich Instagram wie gesagt auch eine tolle App finde, doch ich sehne mich nach einem Gleichgewicht. Nach dieser anfänglichen Leichtigkeit, die sich noch nicht um Likes und Reach und Reposts scherte. Und so habe ich mich vorläufig entschieden weniger präsent zu sein, nur noch zu posten, wenn ich es wirklich fühle, wieder mehr dem Naturrhythmus Vorrang zu geben und zu hoffen, dass der Algorithmus mir vergibt, wenn ich auch mal einige Tage nicht online bin. (Spoiler Alert: er tut es nicht. Mein content wird dann nicht mehr gross gesehen... Aber auch hier darf wieder die Leichtigkeit ins Spiel kommen.)

Der Kampf zwischen Algorithmus und Naturrhythmus ist noch nicht fertig ausgetragen. Ich, die Schiedsrichterin, habe lediglich mal einen Waffenstillstand zugunsten der Natur verordnet. Mein weiterer Weg ist mir noch unklar, doch ich hoffe, dass der Algo sich mit der Natur nicht nur im Rhythmus, sondern auch in der Harmonie bald finden werden. (Haha, siehst du, was ich hier für ein tolles Wortspiel gefunden habe? =) ) Dass ich wieder zu meinem eigenen Rhythmus zurückfinden und darin mein freudvolles Sein auf der App integrieren kann. Dass es kein müssen, sondern wieder ein dürfen wird und dass ich nicht mehr vergesse, warum ich diese Arbeit eigentlich tue: Ich tue sie, um zu inspirieren, um etwas ins Klingen zu bringen und um die Schönheit und Weisheit der Natur zu zeigen.

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Ich bin auch Yoga Lehrerin und führe Rituale und Retreats in der Natur durch. Vielleicht sehen wir uns mal auf der Matte?

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