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Das einfache Leben

Ich träume von einem einfachen Leben. Einem Leben, das Freude in den kleinen Dingen empfindet und das Zeit lässt für das, was wirklich wichtig ist. Das einfache Leben sieht für jede:n anders aus. Hier beschreibe ich meine Vorstellung davon.


Wenn ich meine Augen schliesse, sehe ich ein kleines Holzhäuschen am Waldrand. Auf dem Grundstück stehen Obstbäume, einige Beete und vielleicht eine etwas heruntergekommene Scheune. Das Haus hat eine Veranda, die auf den Garten blickt und ausser dem Singen der Vögel, dem Wind in den Baumwipfeln und dem fernen Rauschen des Flusses, umgibt mich Stille. Ich führe ein einfaches Leben und das macht mich glücklich. Denn genau das ist es, was ich will:

Zeit, Verbundenheit, Natur, Freiheit und Stille.


Dieses Bild sehe ich bereits seit vielen Jahren, noch bevor ich überhaupt mit dem Gedanken spielte, irgendwann einmal selbstständig zu sein und die Stadt zu verlassen. Es war immer schon ein imaginärer Sehnsuchtsort.

Einen Teil dieses Bild habe ich über die letzen zwei Jahre in die Realität gezeichnet. Ich lebe abgelegen, habe Zeit, fühle mich verbunden, bin umgeben von Natur und Stille. Ich sehe mein Leben hier im Bergdorf als eine Art Praktikum, um zu schauen, ob ich tatsächlich irgendwann einmal so leben könnte wie im Bild. Die Übungen sind im Garten zu finden, im Alleinesein, im Aufbau meines Businesses, beim Bad im Wald. Grosse Träume, so habe ich begriffen, realisieren sich in kleinen Schritten. Und Jahr für Jahr mache ich weitere kleine Schritte in Richtung von diesem grossen Traum vom eigenen Land.


Aber du lebst doch jetzt schon so abgeschieden, was reizt dich denn so an diesem Bild?


Kurz gesagt: mich reizt das einfache Leben. Nicht dass das Leben als Selbstversorgerin, alleine im Wald einfach wäre. Es kommt sicher mit ganz vielen Herausforderungen. Nein, es ist dieses Leben, das Raum lässt, sich zu entwickeln. Das irgendwie ursprünglicher scheint, weniger gehetzt und vielleicht unsere gesellschaftlichen Normen ein wenig aufbricht.


Frau läuft barfuss im Wald.

Zeit

Das wertvollste, das wir besitzen, ist die Zeit, die uns bleibt. Unsere Zeit hier auf diesem Planeten ist nicht unendlich. Irgendwann ist sie vorbei und ich möchte auf mein Leben zurück schauen können und sehen, dass ich Zeit hatte und etwas mit ihr gemacht habe, was für mich sinnvoll erscheint. Jede Minute, die ich bewusst gestalten und wahrnehmen kann, ist für mich ein Geschenk. Einfach zu leben bedeutet für mich auch, nicht immer mit dem Strom mitzuschwimmen, der uns unser ganzes Leben lang anschreit, wir sollten mehr tun und mehr leisten und mehr arbeiten und mehr verdienen. Doch wo bleibt hier die Zeit fürs Nichtstun? Für die Langeweile? Für die Leere? Für Dinge, die wir wirklich gerne tun? Nirgends, denn wir haben keine Zeit.


Verbundenheit

Schon immer habe ich bei allem, was ich tat, bei jedem Kennenlernen von einem neuen Menschen, bei jedem längeren Gespräch die Verbundenheit gesucht. Ich brauche Tiefgang, ich brauche mehr als nur Oberflächlichkeit. Ich möchte mich selbst spüren und mit etwas, das grösser ist als ich, in Verbindung stehen. Nenne es wie du willst: Universum, Mutter Natur, Grosser Geist, höheres Selbst, Liebe, Gott.

Diese Verbundenheit spürte ich früher hauptsächlich auf der Yogamatte oder beim Musikmachen, wenn ich in einen Flow-Zustand geriet und es einfach so aus mir floss. Ich finde dies eines der schönsten Gefühle überhaupt und ich will es jeden Tag spüren. Aber in einer Welt, in der immer alles sofort geschehen muss, in der uns keine Zeit übrig bleibt, ist es schwierig in diesen Zustand zu kommen. Denn Verbundenheit oder Flow braucht Raum.


Natur

Das einfache Leben hat für mich etwas Ursprüngliches an sich. Etwas, das mich mit meinen Wurzeln verbindet und diese wachsen in der Natur. Ich bin Natur und die Natur ist ich. Wir alle sind Teil davon. Deshalb ist es für meinen ganz persönlichen Traum unerlässlich, dass ich in und mit ihr lebe. Ich sehne mich nach unberührter, wilder, freier Natur, denn ich glaube meine wahre Natur sollte genau so sein. Indem ich in Verbindung mit dem Land und mit den Rhythmen der Natur lebe, ohne ständig abgelenkt zu sein, lebe ich auch wieder in Verbindung mit mir selbst.

Ich bin unglaublich dankbar für den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt dieser Welt und kann mir beispielsweise nicht vorstellen, jemals ohne Internet zu leben. Und so meine ich mit der Rückkehr zur Natur auch gar nicht, dass wir wieder wie vor 100 Jahren leben müssen, sondern uns einfach wieder an das erinnern, was natürlich bereits in uns vorhanden ist.


Freiheit

Oh, welch wunderschönes Wort in meinen Ohren. Doch ich kämpfe noch. Ich kämpfe, die Freiheit wirklich zu spüren. Wie alles, was ich hier niedergeschrieben habe, ist auch dieses Wort von Person zu Person verschieden und ich gebe lediglich das wider, was ich dabei fühle und denke. Für mich bedeutet frei zu sein, ganz sich selbst zu sein ohne Einflüsse von aussen. Es bedeutet finanzielle Unabhängigkeit. Selbstbestimmt zu sein. Meiner wahren Natur zu folgen. Zu tun, was ich von Herzen tun will. Meine Zeit selbst einteilen zu können. Frei über meine eigenen Ressourcen verfügen zu können.

Ein Teil von mir denkt, das kann doch nie und nimmer funktionieren, unsere gesamte Gesellschaft würde kollabieren, wenn jede:r tut, was sie oder er will. Doch ein anderer Teil entgegnet dem: Ja, aber stell dir nur vor, wenn alle es wirklich von Herzen tun! Wenn alle Menschen aus reinstem Herzen handeln würden, wäre das dann nicht eine bessere Welt, weil alle glücklich wären und anstatt immer über den Gartenhag des Nachbarn zu schauen, auf sich selbst achten würden?


Stille

Mir ist es oft zu laut. Viele auditive Reize überfordern mich, denn es fällt mir schwer zu filtern. Stille ist eine Wohltat nicht nur für mein Gehirn, sondern auch für meine Seele. Mein einfaches Leben muss deshalb viel Stille und Ruhe enthalten. Es kommt wieder beim ersten Punkt zusammen: ich brauche Zeit, um auch einmal still zu sein. Um nichts zu tun, um Langeweile einzuladen, um den Stillstand zu ehren. Manchmal passiert das beim Meditieren, aber viel öfter beim Spazieren im Wald. Dort ist es aber doch gar nicht still, magst du jetzt denken. Nein, das ist es oft ganz und gar nicht. Aber natürliche Geräusche fühlen sich gut an. Sie geben mir Raum, meine Gedanken zu hören, weil ich nicht abgelenkt bin.


Ein Esparsettenwidderchen sitzt auf einer Witwenblume.

Wie sieht das einfache Leben für dich aus? Reizt es dich überhaupt?

Wo siehst du deine wahre Natur?

Wenn du deine Zeit frei einteilen könntest, was würdest du mit ihr tun?


 

Abschliessend ist es mir wichtig noch auf die Chancengleichheit zu sprechen zu kommen. Ich bin in vielen Punkten sehr privilegiert. Dass ich mir überhaupt Gedanken zu meinen Träumen, zu meiner Zeit, zu meinen Finanzen, zur Art meiner Arbeit, zu einem einfachen Leben machen kann, zeugt davon. Denn wie viele Menschen auf dieser Welt können das nicht? Meine Grundbedürfnisse sind mehr als gedeckt, so dass ich über diese Dinge nicht nur nachdenken kann, sondern sie teilweise sogar bereits erfüllen konnte. Ich bin jeden Tag dankbar dafür und täglich betrübt es mich, dass ich eine von wenigen bin, denn alle Menschen sollten ein zufriedenes Leben führen können.

Aber ich möchte dich, liebe Leserin, lieber Leser, auch auffordern über die oben gestellten Fragen nachzudenken. Ohne verallgemeinern zu wollen bin ich überzeugt, dass viele von euch dasselbe Privileg geniessen wie ich. Und so verbleibe ich mit dem: Ihr könnt für eure Träume losgehen, es gibt immer einen Weg!

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Anemoia

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crappa e plema, Steine und Federn
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Ich bin auch Yoga Lehrerin und führe Rituale und Retreats in der Natur durch. Vielleicht sehen wir uns mal auf der Matte?

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