Träume

Weisst du, ich hatte vor langer Zeit mal diesen Traum, einen Sommer lang in Griechenland den Schildkröten zu helfen. Jedes Jahr nahm ich einen Anlauf, diesen Traum wahr werden zu lassen, doch immer kam irgendetwas dazwischen oder ich hatte das Gefühl, der Zeitpunkt würde nicht stimmen. Und so vergass ich über die Jahre, dass ich überhaupt mal diesen Traum hatte. Wenn er sich doch mal wieder meldete, sagte ich ihm, dass ich nun zu alt dafür sei oder dass Träume einfach nur das sind: Träume. Für mich kommt es einem kleinen Wunder gleich, dass ich mich nach all den Jahren zu genau dem Zeitpunkt, an dem ich es am meisten brauchte, auf den Weg zu den Schildkröten gemacht habe. Dieser Traum hat anscheinend auf den richtigen Moment gewartet und ich habe ihn über die Jahre einfach ausgebrütet.

Die Reise zu den Schildkröten war für mich wie ein Startschuss in die Erfüllung meiner Träume. Sie hat mir gezeigt, dass Träume nicht nur wahr werden können, sondern es auch dürfen. Ja, ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass Träume das ganz fest wollen: erfüllt werden. Nach Griechenland habe ich erst so richtig begonnen zu träumen, von der Selbstständigkeit, von einem Leben in der Natur, von Freiheit, von einem Leben, das sich für mich persönlich stimmig anfühlt. Ich habe gelernt, dass ich gross träumen darf, aber auch dass manche Träume ihre Zeit brauchen und sich meistens nicht dann in die Realität umsetzen, wann ich es will. Das Erfüllen von Träumen hat für mich auch viel mit Loslassen zu tun und vor allem mit Vertrauen. Klar muss und will ich meinen Weg aktiv mitgestalten und frei entscheiden, wohin ich gehen möchte, aber manchmal muss ich mich auch einfach dem Fluss des Lebens hingeben und darauf vertrauen, dass er mich an den Ort meiner Träume bringt. Und manchmal ist dieser Ort so ganz anders, als ich ihn mir erträumt habe, genau so ist er aber gut oder noch viel besser. Auch dieser Blog hier ist ein wahrgewordener Traum: der Traum vom Schreiben begleitet mich insgeheim schon sehr lange und der Traum meine Gedanken mitzuteilen ist mit der Schildkröten-Reise aufgetaucht.

Ich habe auch gelernt, dass manche Träume sich beim Erfüllen plötzlich nicht mehr richtig anfühlen, weil ich mich gewandelt habe und dabei vergass, dass meine Träume das auch dürfen. Und auch hier werde ich wieder eines gelehrt: Loslassen. Gar nicht so einfach, wenn dein früheres Ich diesen Traum ganz fest leben wollte, sich immer noch ständig bei dir meldet und ich ihr nun beibringen muss, dass dieser Traum für ihre jetzige Version einfach nicht mehr stimmt...

Ich möchte dir, liebe:r Leser:in, mit diesem Blogpost gerne etwas mitgeben: Träume gross und glaube mit all deiner Kraft daran, dass deine Träume wahr werden. Deine Träume sind wie Samen, die du in den Boden setzt. Sie haben bereits alles in sich, was sie irgendwann zu einer wunderschönen Blume werden lassen. Vielleicht wissen sie noch nicht wie, aber sie wissen, dass sie wachsen dürfen, denn das ist das, was sie wollen. Auch wenn du den Samen immer wieder giessen musst, ihm manchmal etwas Kompost zur Nahrung gibst, musst du ihn auch einfach lassen. Du musst vertrauen, dass der Samen irgendwann zur Blume wird, auch ohne dein Zutun. Deine Erwartungen an den Samen, darfst du loslassen, denn "Das Gras wächst nicht schneller, wenn du daran ziehst", wie man doch so schön sagt. Nichtsdestotrotz bist du der oder die Gärtner:in deines Lebens. Du entscheidest, welche Pflanze du wo, wie und wann anbaust. Dein Lebensgarten ist genau das: dein Lebensgarten. Wenn du nicht aktiv wirst, wird er von Pflanzen überwachsen, die du vielleicht gar nicht da haben willst. Deshalb: Träume. Träume gross! Setze die Samen, auch wenn sie noch so winzig klein sind, pflege sie und lass sie dann los.



Wie ein Traum

Nun ist sie bald endgültig vorbei, diese Reise. Oder beginnt sie erst, wenn ich wieder Zuhause bin? Denn es fühlt sich an, als ob jemand den Reset-Knopf gedrückt und mich sechs Wochen lang neu konfiguriert hätte. Wie dieses Update mit meinem alten Leben zurechtkommen wird, wird sich zeigen. Ich bin jedoch guter Dinge, fühle mich so gut wie lange nicht mehr und konnte hier meine Batterien aufladen.

Die letzten Tage verbringe ich in Ruhe und völliger Abgeschiedenheit. Ich bin umgeben vom Dschungel und teile mir einen wunderbaren Flecken Erde mit ein paar Hühnern, einem bissigen Hund und einem tauben Esel. Ich fülle meinen "Vitamin Sea"-Speicher auf, schreibe viel, bin kreativ und reflektiere meine Zeit hier. Ich kann nicht glauben, dass ich so lange weg war! Es fühlt sich viel kürzer an, beinahe wie ein Traum. Habe ICH das wirklich alles erlebt? Ich schaue meine Bilder an und erkenne mich zum Teil kaum wieder. Ich lese meine Texte und mein Verstand weiss, dass es meine Worte sind, aber mein Kopf denkt, dass es doch gar nicht sein kann, dass ich die Glückliche bin, die all diese Erfahrungen machen durfte.

Gerade die Wochen im Camp haben mich gelehrt, vollkommen im Moment zu sein. Absorbiert von einer Sache gab es kein Gestern und kein Morgen, nur das Hier und Jetzt. Ich durfte wieder Kind sein, viel lachen, Verbundenheit spüren zur Natur und den Menschen, zur Ruhe finden, die tiefe Wunde in meinem Herzen pflegen. Solche Momente möchte ich auch Zuhause erleben und so kommen nicht nur meine von der Sonne gebleichten Kleider, viel unfreiwilligen Sand und das eine oder andere Souvenir in meinen Koffer. Ich packe auch diese ganz besondere Schildkröten-Energie mit ein. Sie ist das beste in meinem Gepäck und bleibt mir hoffentlich noch lange erhalten.



  1. Auf einer meiner letzten Morgenschichten: wir Freiwilligen sind an den blauen T-Shirts der Schildkröten-Organisation zu erkennen.

  2. Meine letzte Baby-Schildkröte, die sich vom Nest zum Meer kämpft.

  3. Die nicht so schöne Seite meiner Arbeit: excavations - das Ausgraben der Nester, nachdem sie geschlüpft sein sollten, für die Datenerhebung.

  4. Die letzten Tage in Griechenland bin ich noch Touristin und lasse die vergangenen Wochen am Strand revue passieren.


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